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Kanchipuram

Infos

Die Stadt Kanchipuram ist zwar eine der ältesten des Subkontinents, wäre aber ohne seine etwa 125 Tempel nur ein staubiger und lauter Sitz der Verwaltung des gleichnamigen Distrikts.

Dank der Tempel gehört sie aber zu den sieben heiligen Stätten des Hinduismus mit einer bedeutenden Geschichte: Gründung durch die Pallava-Dynastie vor ca. 1.500 Jahren | 500 Jahre Hauptstadt der Pallavas, danach für 600 Jahre religiöses Zentrum unter den auf die Pallavas folgenden Königreichen der Chola, Pandya und Vijayanagar | Entwicklung des südindischen Tempeltyps (stufenpyramidaler, oft farbenprächtiger Gopuram) | jahrhundertelanger Hort religiöser Toleranz (Jainismus, Buddhismus, Hinduismus; noch heute werden Vishnu und Shiva "gleichberechtigt" angebetet) | 1.000 Tempel sollen in Vorzeiten bestanden haben (643 u. Z. besuchte der chinesische Pilgermönch Xuanzang, auch Hsiuen Tsang, den Ort und berichte, dass es allein für die Anhänger des Mahayana-Buddhismus über 100 Klöster mit mehr als 10.000 Mönchen gab).

 

Link 1          Link 2          Video 1         Video 2         Video 3

Tempel Sri Ekambaranathar

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Der im Jahr 1509 Gott Shiva geweihte Tempel Sri Ekambaranathar ist mit mehr als 9 ha Fläche der größte vor Ort. Er entstand durch Umbau eines bereits von den Pallavas errichteten Vorgängers. Beeindruckend sind der 57 Meter hohe Gopuram, eine mächtige Umfassungsmauer, die Massivität der Bauten und das rege vielgestaltige religiöse, auf Geistiges und Monetäres orientierte, Geschehen im Inneren. Der Tempel ist einer der fünf auf Indien verteilten Haupttempel Shivas und repräsentiert das hinduistische Element Erde.

Eine der vielen Deutungen des Namens des Tempels leitet sich ab von einem angeblich 3.500 Jahren alten heiligen Mangobaum in einem Innenhof: Eka Amra Nathar heißt übersetzt "Herr des Mangobaumes". Tatsächlich gibt es einen voll im Saft stehenden Baum und eine Reliquie in Form eine toten Baumstamms, der mit wissenschaftlichen Methoden auf ein Alter von über 1.000 Jahre datiert wurde. Ausnahmsweise dürfen auch Nicht-Hindus den heiligen Baum umschreiten.

Im Tempel ist die längste Reihung an Shivas Lingams in Indien - mehr als 350 - zu finden. In einem Schrein verspricht ein gut besuchter Lingam mit 1.008 Lingams an der Oberfläche mancherlei Segnungen. Die Hauptgötterfigur ist ein tanzender Shiva (Moolavar).

 

offizielle Tempel-Homepage         Video 1        Video 2           Video 3           Video 4         Grundriss des Tempels

 

20 Stück 360-Grad-Panoramen (unbedingt ansehen)          6 Stück 360-Grad-Panoramen incl. Erläuterungen

Kailasanatha-Tempel

(Link)

Der überwiegend aus Sandstein bestehende Kailasanatha-Tempel ist der älteste aller noch erhaltenen Tempel. Er ist Gott Shiva geweiht und wurde vom Pallava-König Narasimhavarman II. (700-728) und seinem Sohn Mahenddravarman III. unter Weiterentwicklung der Mamallapuram-Architektur (siehe Shore Temple) erbaut.

Bis heute hat er kaum bauliche Veränderungen erfahren und gilt daher als eines der herausragenden Beispiele der frühen hinduistischen Tempelbaukunst im südindischen Dravida-Stil, in dem unter anderem Wandmalereien aus der Erbauungszeit vor 1.400 Jahren erhalten blieben.

Innen: Um das nach Osten hin geöffnete zentrale Heiligtum, das von einem vierstöckigen Vimana (Tempelturm) überragt wird, sind sieben kleinere Schreine angeordnet, die ebenfalls von kleinen Türmen bekrönt werden. Östlich schließt sich eine ursprünglich freistehende Pfeilerhalle (Mandapa) an, die wahrscheinlich erst im 14. Jahrhundert durch eine weitere Halle mit dem eigentlichen Tempel verbunden wurde. In die rechtwinklige Umgebungsmauer des Tempelkomplexes sind zahlreiche kleine Zellen mit Vimanas eingelassen.

Außen: Vor der östlichen Umgebungsmauer stehen zwei solitäre und sechs in einer Gruppe zusammengefasste Vimanas. Über dem östlichen Eingangstor erhebt sich ein Turm, der bereits Merkmale der späteren, prachtvoll ausgestalteten Gopurams aufweist. Ein Nandi rundet die Außenanlage ab.

(Erweiterter Text nach http://de.wikipedia.org/wiki/Kanchipuram#Kailasanatha-Tempel)

 

Besonders beeindruckt war der Verfasser von der über tausendjährigen Farbgebung und Plastizität des Stucks auf den Reliefs und Plastiken. Seinerzeit muss der Tempel auch ein Fest der Farben gewesen sein.

 

Zur Information:

a) die monochromen Rekonstruktionen des Stucks wurden nach Auskunft des Sicherheitsdienstes unter Anleitung englischer (?) und französischer (?) Denkmalpfleger durch indische Handwerker realisiert

b) der Begriff Vimana findet Anwendung bei auf den ersten Blick sehr unterschiedlichen Objekten (hier: "Aufsatz" auf dem Hauptheiligtum und "Gehäuse" für Reliefs, Plastiken oder Lingams; das Verbindende wird hier erläutert)

 

Video 1          Video 2-1          Video 2-2          Video 3        15 Stück 360-Grad-Panoramen (unbedingt ansehen)

Tempel Sri Varadaraja Perumal

(Link)

Der Gott Vishnu geweihte Tempel Sri Varadaraja Perumal geht zurück auf einen Tempel aus dem Jahr 1053, der im 14. Jh. erweitert, mit einer noch höheren Mauer umgeben und um einen weiteren Gopuram ergänzt wurde.

Die Fläche des Tempels ist annähernd so groß wie die des Tempels Sri Ekambaranathar.

Für Nicht-Hindus ist nur der Vorhof hinter dem Haupttor zugängig, deshalb die 360-Grad-Panoramen ansehen, weil diese tiefer in die Tempelanlage führen.

Berühmt ist der Tempel zum einen für seine im Vorhof stehende 100-Säulen-Halle wegen deren Ausschmückung, die an Menge, Vielfalt und künstlerischer Meisterschaft Vergleichbares sucht, sowie zum anderen wegen steinerner Ketten, die aus einem Block herausgearbeitet wurden.

 

Der Verfasser war leider erst am späten Nachmittag (alle Tempel in Kanchipuram haben "Mittagsruhe" von 13.00 bis 16.00 Uhr) in der 100-Säulen-Halle, so dass er nur sehr schlechte Lichtverhältnisse für Fotos vorfand.

 

9 Stück 360-Grad-Panoramen (unbedingt ansehen)       Video 1            Video 2         

Am Wegesrand

(Link)

Neben den vielen Tempeln ist Kanchipuram bekannt für seine über ein Jahrtausend alte Tradition bei der Herstellung, Färbung und Verarbeitung von Seide und Seidengewebe. Berühmt sind die schweren handgewobenen Saris aus Seide. Insbesondere Saris mit Gold- oder Silberborte sind begehrt und teuer.

Der Taxifahrer* brachte den Verfasser während der Fahrt von Mahabalipuram nach Kanchipuram in eine Seidenmanufaktur, die, ausschließlich der Gewinnung der Rohseide, noch den gesamten Herstellungsprozess einschließlich Verkauf realisiert.

Die Erläuterungen des "Chefs" der Weberei ergänzte der Verfasser zum Erstaunen der Inder mit seinen während der Schulzeit in den 1960er Jahren erworbenen Kenntnissen und Erfahrungen bei der Aufzucht von Seidenraupen: in den Sommerferien wurde in nahezu allen Räumen der dörflichen Grundschule des Verfassers Seidenraupenbrut bis zur Verpuppung gefüttert. Wir Kinder pflückten während der Ferienspiele** die Blätter von der an der Grenze des Schulhofs wachsenden Maulbeer-Hecke und verteilten das Grün auf den papierabgedeckten Schultischen mit den nach drei Wochen nur noch ein unüberschaubares Gewimmel bildenden tausenden Raupen.

*   ..... die "commission" des Fahrers betrug 15 % der Einkaufssumme des Verfassers

** ..... zur Klarstellung: der Verfasser lernte während der Ferienspiele das Schwimmen und Zelten; diese Zeit ist Teil seiner positiven Erinnerungen; aus der Retrospektive betrachtet war es generell von Vorteil, dass der Verfasser bereits als Kind in reale ergebnisorientierte Arbeitsprozesse eingebunden wurde; seinerzeit sah er das naturgemäß anders

 

Video 1          Video 2          Film über das Leben der Seidenweber ca. 1930 - 1948 (sehr empfehlenswert)       


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© Lothar Rehle / Erstveröffentlichung: 01.06.2013 /

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