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Khajuraho

Infos

 

Khajuraho ist ein verschlafenes Dorf mit einer bedeutenden Vergangenheit: an dem Platz war die kulturelle Hauptstadt der Chandella-Dynastie, die um 950 u. Z. ein unabhängiges Imperium gründen konnte und den Ort in den folgenden 200 Jahren zu einer befestigten Tempelstadt ausbaute. Mehrere hundert Künstler und Steinmetze waren ununterbrochen am Werk. Es entstanden etwa 85 Hindu- und Jaina-Tempel.

 

Der Ort wurde später verlassen und nur wenige bäuerliche Einheimische „pflegten“ die Tempel mit dem Ergebnis, dass diese vom Dschungel geschluckt wurden. Sie waren bedroht, im kollektiven Gedächtnis Zentralindiens verloren und physisch unter zu gehen. Ende des 19. Jahrhunderts wurde ein in der Gegend tätiger englischer Ingenieur für Straßenbau von den Einheimischen auf die Tempel hingewiesen. Dieser wiederum informierte die „Archaeological Survey of India“, die den Ort untersuchen ließ. Heute bestehen noch 25 Tempel, die in der Liste des UNESCO-Welterbes verzeichnet sind. Nicht alle Tempel befinden sich in dem hervorragenden Zustand wie die hier vorgestellten. Von einigen existiert nur noch das Sockelplateau.

Unterschieden wird zwischen einer West- und einer Ostgruppe der Tempel. Gelegentlich wird die Ostgruppe von Wissenschaftlern unterteilt; dann gibt es noch eine Südgruppe.

 

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Video (dt.; sehr gut) 

 

 

Ein Wort zu den Bildergalerien

 

Der 1999er Besuch von Khajuraho war seinerzeit einer der Höhepunkte der Reise. So wird es vermutlich auch bei der Rückschau auf diese Tour sein. Beredtes Zeichen für diese Vermutung ist, dass der Verfasser bei der Bilderauswahl feststellte, dass er, wie beim damaligen Besuch, kaum aussagekräftige Fotos von der für indische Verhältnisse hervorragend gestalteten Außenanlage der Westgruppe der Tempel machte. Die Wucht der Eindrücke aus dem an den Tempeln tobenden Wettbewerb von Architektur und Detail - und dabei geht es nicht ausschließlich um die Erotik in Stein - fesselt ihn wohl auch dieses Mal mit ablenkender Wirkung.

Dem geschuldet ist die Vielzahl der in den Bildergalerien enthaltenen Fotos. Und sollte der Betrachter Menge und Vielfalt der Fotos nicht sofort fassen können, spürt er einen Hauch des Genusses des Verfassers. Dann ist dessen Absicht eingetreten.

Die West- und Ostgruppe der Tempel (Gesamtanlagen)

(Link)

 

Die West- und Ostgruppe der Tempel rahmt das Dorf Khajuraho ein. Dabei ist die Westgruppe das Rückgrat des aktuellen kulturhistorischen, touristischen und kommerziellen Geschehens. Nur die Westgruppe ist kostenpflichtig. Und das spürbar.

Der Verfasser hatte, weil der Gehweg zum Eingang der Westgruppe nur drei Minuten lang ist, das selbe Hotel wie 1999 gewählt. Das vermittelte ein besonders deutliches Bild von den Veränderungen in den vergangenen vierzehn Jahren: vor dem Eingang ist eine verkehrsfreie Zone und er selbst erhielt eine Erweiterung für Sicherheitskontrollen. Shops, Geldautomaten und Restaurants (durch Bestechung gelang es einem Restaurantbetreiber sogar, für dieses Gebilde unmittelbar am Tempelgelände eine Genehmigung zu erhalten) stehen auf seinerzeit nur von Hunden und Kühen genutzten Brachen gegenüber dem Eingang.

Westgruppe / Lakshmana-Tempel

(Link)

 

Der zur Westgruppe gehörende Lakshmana-Tempel wurde zwischen 930 und 950 gebaut und war der erste wirklich große Tempelbau der Chandella-Dynastie.

Der Tempel ist dem Gott Vishnu in seinem Aspekt als Vaikuntha ('Herr des Paradieses') geweiht; im Zentrum des Allerheiligsten (Cella) steht eine dreiköpfige Vishnu- / Vaikuntha-Figur. Die Köpfe (siehe letztes Foto der Bildergalerie) sind von links beginnend: Löwe (Narshima); Vishnu (Vaikuntha); Eber (Varaha).

Heute ist er der am besten erhaltene Tempel und macht das komplette architektonische Konzept der Tempel von Khajuraho „in einem Guss“ deutlich:

a) Keine Mauer als Abgrenzung zur Umgebung, sondern eine Plattform

b) Künstlerische - teilweise sehr aufwendige - Gestaltung der Wände der Plattform

c) Gestufter, in die Höhe strebender Baukörper des Tempels, der den Weltberg, eingebettet in weitere Berge, darstellt

d) Der Baukörper, der das Allerheiligste umschließt und die Vorhalle sind so eng verbunden, dass von Verschmelzen gesprochen werden kann

e) Die Außenseite des Allerheiligsten trägt skulpturalen Schmuck

f) Um das Allerheiligste gibt es einen Prozessionsgang

g) Es kann mehrere Vorhallen geben

h) Es gibt Balkone

i) Der Tempel ist nur über eine Treppe erreichbar

j) An den vier Ecken der Plattform stehen begrenzende Schreine

 

Gegenüber dem Lakshmana-Tempel steht ein kleiner Varaha-Tempel mit einer detailreich geschmückten Plastik des Ebers.

 

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Westgruppe / Kandariya-Mahadeva-Tempel

(Link)

 

Der Kandariya-Mahadeva-Tempel ist das alles überragende Glanzstück unter allen Tempeln: Architektur und Fassade stehen im Wettbewerb um die Aufmerksamkeit des Besuchers. Und dieser ist gebannt. Widerstand ist zwecklos.

Der Tempel, errichtet in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts, ist Gott Shiva geweiht; so dass im Zentrum des Allerheiligsten ein Lingam steht.

Die Felder mit den erotischen Szenen stehen im Mittelpunkt des ersten Interesses, finden aber bald ihre Einordnung ins Beobachtungsgeschehen, weil die anderen schmückenden Plastiken von mindestens eben so großer künstlerischer und handwerklicher Meisterschaft erzählen.

 

Weitere Informationen gibt es über diese Links.

   

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Westgruppe / Weitere Tempel

(Link)

 

Die weiteren Tempel der Westgruppe werden in der Bildergalerie in folgender Reihe dargestellt:

 

Jagadamba-Tempel ..... geweiht Parvati

Chitragupta-Tempel ..... geweiht Surya (Sonnengott)

Nandi-Schrein ..... geweiht Nandi, dem Stier, der das Reittier Shivas ist

Varaha-Tempel ..... geweiht Vishnu in der Inkarnation als der Eber Varaha

Parvati-Tempel ..... geweiht Parvati

 

Neben diesen Tempeln und dem Schrein gibt es in der Westgruppe noch den Devi-Tempel, den Vishvanatha-Tempel und den außerhalb der Umzäunung liegenden Matangeshvara-Tempel mit dem angeblich größten Shiva-Lingam in Indien. Den letztgenannten Tempel besuchte der Verfasser.

Ostgruppe

(Link)

Die Ostgruppe der Tempel hat den Verfasser außerordentlich positiv überrascht: die Tempel sind von Algen und Schmutz befreit, es existiert ein deutlich erkennbarer und für Ziegen und Rinder unüberwindbarer Zaun sowie innerhalb dessen eine gepflegte Grünanlage einschließlich eines wirksamen Wachmanns. 1999 sah das noch ganz anders aus: als der Verfasser den Javari-Tempel besuchte war er eine Zeitlang nicht allein; ein Bewohner des unmittelbar angrenzenden Dorfes erschien mit einer verbeulten Konservendose, die das für die Reinigung des Allerwertesten nach verrichtetem Morgengeschäft traditionell erforderliche Wasser enthielt und ging nach kurzer Bemusterung des Verfassers eben diesem Geschäft nach. Es kann ja durchaus nützlich sein, dicht bei einer Gottheit seinen Darm zu entleeren.

Die gut gepflegten Tempelanlagen liegen wie Inseln in einem Umfeld aus Brachen, versumpftem Gelände und Müllablagerungen des Dorfes. Schade.

Innerhalb der Ostgruppe befinden sich alle bereits an anderer Stelle erwähnten teilweise nur noch aus der Plattform bestehenden Tempelruinen, an denen Archäologen dennoch ihre Freude haben können. Von diesen Ruinen gibt es keine Fotos, weil der Verfasser sie nicht besuchte.

Der Verfasser sah den Brahma geweihten Tempel, den Javari-Tempel und den Tempel zur Verehrung des Zwergs Vamana.

Informationen zu den einzelnen Tempeln gibt es in der Bildergalerie "Khajuraho / Ostgruppe".

Die interessante und ggf. lehrreiche Geschichte vom Zwerg Vamana gibt es hier.


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© Lothar Rehle / Erstveröffentlichung: 01.06.2013 /

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