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Madurai

Infos

Die Gründung der heutigen Millionen-Stadt Madurai verliert sich in der Geschichte; bereits Mitte des 4. Jh. v. u. Z. berichtete Megasthenes, griechischer Botschafter an einem nordindischen Königshof, über den Ort.

Die Pandya-Dynastie (3. Jh. v. u. Z. bis 10. Jh. u. Z.) nutzte Madurai als Hauptstadt, es folgte für zwei Jahrhunderte die Chola-Dynastie, darauf von Ende des 12. Jh. an erneut Pandya-Herrscher, abgelöst 1310 durch Muslime. Die Könige von Hampi vertrieben 1372 die Muslime, regierten bis Mitte des 16. Jahrhunderts und verloren Madurai 1559 an die Nayak, die bis 1781 an der Macht blieben. Es folgten die Briten.

Der größte Teil des Meenakshi-Tempels entstand während der Herrschaft von Tirumalai Nayak (1623 - 1659) sowie der nach ihm benannte Palast, beides architektonische und touristische Höhepunkte Südindiens.

Madurai ist Distrikt-Verwaltungssitz und eines der wichtigsten Pilger- und Touristenziele (2011: 8,5 Mio. Besucher) in Tamil Nadu. Haupterwerbsquellen sind lokal orientierte Handwerksbetriebe, Beherbergung und begleitende Dienstleistungen sowie Verwaltungen. Überregionale Industrie wurde dem Verfasser nicht bekannt.

 

Madurai 1945 - aktuell / 1       Madurai 1945 - aktuell / 2       Aufklärung über Gewalt gegen Frauen         Video        

Meenakshi-Tempel

(Link)

zum Komplex des Meenakshi-Tempels - voller Name: Sree-Meenakshi-Sundareshwarar-Tempel - gehören neben den beiden Hauptschreinen für Meenakshi bzw. Shiva drei Säulenhallen (Mandapam), ein Tempelteich, ein Nebenschrein für Shiva, Umfassungsmauer mit vier Toren unter markanten Tortürmen (Gopuram), innere Trennmauern mit kleineren Gopurams, Wirtschaftsgebäude, viele Wandelgänge sowie etwa 33.000 Figuren aus Stein und Stuck als Vollplastiken oder Reliefs auf Wänden und Säulen. Das Ganze wirkt mystisch-unübersichtlich, verunsichernd, anziehend und verfehlt die Wirkung auf Pilger und Touristen nicht.

Der vom Bundesstaat Tamil Nadu verwaltete Tempel hat etwa 250 Beschäftigte, davon ist die Hälfte unmittelbar mit Dingen der Ausübung der Religion befasst. Der Tempel ist einer der größten in Indien und ein exzellentes Beispiel der dravidischen Tempelarchitektur.

Der meisten Teile des heutigen Tempels entstand im 17. Jh. unter Tirumalai Nayak, der die beiden aus dem 12. Jh. stammenden Hauptschreine für Meenakshi sowie Shiva und zwei im 13. Jh. gebaute Gopurams in sein 6 ha großes Gesamtkonzept einband.

Die Gründungslegende des Tempels - Vermählung von Meenakshi, Tochter eines Königs aus dem Geschlecht der Pandya, mit Gott Shiva (Shiva in Tamil: Sundareshwarar) - ist berührend und zugleich ein hervorragendes Beispiel für das machterhaltende Zusammenspiel von Religion, Historie und Realität. Durchaus lehrreich.

 

Fakten:

a) Gopuram über dem fotografierten westlichen Tor: 9 Geschosse; 1.124 Figuren; 52 Meter Höhe (einschl. Tor)

b) Umfassungsmauer: fünf Tore, davon vier mit Gopuram; 6 Meter Höhe; 983 Meter Länge

c) Abzugeben vor Tempelbesuch: Schuhe, Camcorder, Speisen, Getränke und leider Fotoapparat seit 05/2013 (deshalb gibt es in der Fotogalerie Bilder aus dem Internet; Smartphones sind erlaubt)

d) Zu erwerben vor Tempelbesuch: Blumen (für die Götter) und Speisen (werden gesegnet und nach Hause mitgenommen) in tempeleigenen Shops, mehrere Eintrittskarten für die einzelnen Schreine bzw. Säulenhallen

 

 

360-Grad-Ansichten (A)          360-Grad-Ansicht (B)         offiz. Homepage d. Tempels         Link 1        

 

Video 1           Video 2           Video 3 (1000-Säulen-Halle)           Video 4           Video 5-1          Video 5-2

 

Video 6         

Pudhu Mandapam

(Link)

 Der Pudhu Mandapam [in Tamil (?): Neue Halle] wurde unter Thirumalai Nayak (s. "Infos") von 1628-35 gegenüber dem Ost-Tor des Meenakshi Tempels als Unterkunft für Pilger sowie als Platz für religiöse Feste (z. B. das wichtigste lokale Fest Chithirai zu Ehren der Vermählung von Meenakshi und Shiva oder das Frühlingsfest Vasanthosavam, das zum alternativen Namen Vasantha Mandapam für die Halle führte) errichtet.

Der Legende nach haben die Bauarbeiter vom ersten Tag an bis zur Fertigstellung ohne freie Tage und ohne Rücksichtnahme auf ihre Familien ihr Bestes gegeben.

Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: beidseits der Halle floss jeweils ein kühlender Bach (siehe Foto von 1899; heute zugeschüttet und genutzt für Bücherstände, Schneiderwerkstätten und Verkaufsstände für metallenes Haushaltsgerät) sowie ein nahezu unendlich lang wirkendes Mittelschiff, das von zwei fast romanisch anmutenden seitlichen Schiffen begleitet wird.

124 hervorragend dekorierte Säulen, Bildnisse einzelner Gottheiten oder von Göttergruppen, knapp lebensgroße Statuen des königlichen Stifters, seiner Frauen sowie wichtiger Krieger und Beamter laden zur Entdeckung ein und machen die Halle zur historischen und architektonischen Schatzkammer.

Kleine Geschäfte und Handwerksbetriebe breiteten sich nach 1920 in der Halle aus.

Heute wird das Mittelschiff im Rahmen mehrerer religiöser Feste genutzt; der Handelsbetrieb und die Nähmaschinen ruhen an diesen Tagen. An den restlichen Tagen arbeiten die Schneider und Händler, oft in zweiter oder dritter Generation, von 9.00 bis 21.00 Uhr. Berühmt sind die Schneider für ihre Schnelligkeit: eine Bluse entsteht während der Zeit eines Shopping-Rundgangs und ein Anzug innerhalb von 24 Stunden.

Leider verstellen und gefährden die Shops und Werkstätten das kulturelle Erbe, zumal sehr viele Einwohner Indiens der Erfahrung des Verfassers nach ohnehin ein förderungsbedürftiges Verhältnis zu den nationalen Kulturschätzen haben.

Der Missstand ist erkannt: die Halle - ohnehin Eigentum des Bundesstaates Tamil Nadu - soll ein Museum werden; allerdings ist die Zukunft der etwa 300 Shop-Betreiber unklar und die Einwohner lieben die aufs engste mit den Göttern verwobene Einkaufsmöglichkeit (siehe Zeitungsartikel).

Auf der dem Meenakshi-Tempel abgewandten Seite der Halle befindet sich der Sockelbau des unvollendeten Roya-Gopuram, der bei Vollendung der höchste Indiens geworden wäre.

 

THE TIMES OF INDIA         Madurai Messenger         THE HINDU         THE NEW NDIAN EXPRESS  

 

Meenakshi-Tempel u. Pudhu Mandapam (Luftbild)         Pudhu Mandapam u. Roya-Gopuram (Luftbild)

Thirumalai-Nayak-Palast

(Link)

Der Thirumalai-Nayak-Palast wurde im Jahre 1636 von König Tirumalai Nayak mit Unterstützung eines italienischen Architekten errichtet.

Das heute bestehende Gebäude nimmt etwa ein Viertel des ursprünglichen Palastes ein. Glücklicherweise enthält es die wichtigsten Teile der Anlage aus dem 17. Jh.: Thronsaal mit achteckiger Kuppel, Wohnbereich des Königs, Harem, Tanzsaal, Gebetsraum und Wandelgänge. Verloren gingen das Waffenhaus, ein Trainingshaus für das Militär, ein religiöser Schrein sowie der Garten mit Teich.

König Thirumalai Mayak zelebrierte im Palast religiöse Feste. Täglich gab es Tanz und Musik sowie administrative Handlungen und Gerichtsverfahren. Für das Letzte spielte der vor dem Thronsaal gelegene allseits von Wandelgängen aus kolossalen Säulen gesäumte 3.900 m² große Innenhof eine bedeutende Rolle.

Der Palast wurde von Chokkanatha Mayak, dem Enkel des Erbauers, teilweise abgerissen und die Wertsachen an andere Orte verbracht.

Im 19. Jahrhundert veranlasste Lord Napier, Gouverneur von Madras zwischen 1866 und 1872, Arbeiten zur Erhaltung und Renovierung.

Heute vermitteln allein die majästätischen Dimensionen des wenigen Erhaltenen Assoziationen an die Größe einer untergegangenen Epoche. Der unter der Kuppel an seinem ursprünglichen Platz aufgestellte Thron wirkt wie ein Schmuckstück, das beim Raub eines Schatzes vergessen wurde.

Hauptbewohner des Palastes sind neben Fledermäusen leider so viele Tauben (siehe Fotos), dass deren Kot unterhalb der Simse, Galerien und Zugentlastungsstangen der Kuppeln den Steinboden nicht nur verdreckte, sondern verdeckte.

 

Link          Video 1          Video 2          Video 3         

Am Wegesrand

(Link)

Infos zur Bildergalerie

 

Der Bau des Roya-Gopuram wurde gegenüber der Ostseite des Pudhu Mandapam begonnen. Aus unbekannten Gründen kam es zum Stillstand der Bauarbeiten nach Fertigstellung des Sockelbauwerks. Vollendet würde dieser Gopuram alle anderen in Indien überragen.

 

Sonntagsmärkte sind in Indien normal, weil das der tatsächlich einzig freie Tag in der Woche ist. Allerdings gilt das Umfeld des Meenakshi-Tempels als überteuert. Hier werden vor allem die vielen indischen Pilger zur Kasse gebeten. Und diese wiederum nehmen die Herausforderung ihrer Landsleute gern an. Letztendlich sind sie auch Touristen. Reisende auf dem Pfad zu einem besseren Karma.


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© Lothar Rehle / Erstveröffentlichung: 01.06.2013 /

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