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Fatehpur Sikri bei Agra

Das zwischen 1569 und 1574 unter Großmogul Akbar (1542–1605) erbaute Fatehpur Sikri (Stadt des Sieges), ca. 40 Kilometer von Agra entfernt, war lediglich für etwas mehr als zehn Jahre Hauptstadt des Mogulreiches. 1571 zog Akbar mit seinem Hofstaat hierher, bereits 1585 verlegte er den Hof aber nach Lahore.

Geblieben sind zwei seit 1986 in der Liste des UNESCO-Welterbes als Einheit geführte Ensemble: eine große, architektonisch und künstlerisch reich ausgestattete Moschee (siehe Seitenkopf: grüne Umrandung) und eine beeindruckende Palastanlage (rot umrandet). Darüber hinaus gibt es zahlreiche über den Ort verstreute historische Bauwerke, wie z. B. einen Stufenbrunnen, eine Karawanserei, Kenotaphe, ein Hammam (türkisches Bad), eine bereits vor Akbars Gründung bestehende Moschee (sog. Bildhauer-Moschee) sowie erhebliche Teile der 11 Kilometer langen Stadtmauer.

 

Link 1          Link 2         Text und sehr gutes SWR-Video      

 

Sehr interessant ist die vermutlich tatsächliche Legende zum Anlass der Stadtgründung: Link 3  Bedenkt man dabei die in mehreren Quellen beschriebene zwingende Randbedingung für die Geburt des männlichen Kindes - die potenziellen Mütter mussten beim Eremit leben - produziert die aufgeklärte Phantasie Begriffe wie Impotenz und Kuckuckskind.

Palastanlage

(Link)

Es ist schon eine seltsame Anmutung, ein komplett erhaltenes, sehr gut gepflegtes und aktuell absolut ungenutztes ehemaliges Machtzentrum der indischen Geschichte durchwandern und phantasiebefeuert betrachten zu dürfen. Insbesondere vor dem Hintergrund um den aus heutiger Sicht nicht nachvollziehbaren Gründungsanlass (Vorhersage der Geburt eines Sohnes) und der am Entstehungsaufwand gemessenen extrem kurzen Nutzungsdauer.

 

Akbar, der Stadtgründer, wird wohl mit Recht als der befähigtste und erfolgreichste Mogulherrscher betrachtet:

- Einerseits erhöhte er die bereits von allen Nicht-Moslems zu erbringenden Sondersteuern für die Bauarbeiten in Fatehpur Sikri; andererseits stellte er später Steuergerechtigkeit zwischen allen Untertanen und damit sozialen Frieden her.

- Einerseits inspizierte er die Bauarbeiten in Fatehpur Sikri selbst; führte andererseits entscheide Feldzüge, die aber erfolgreich waren, entgegen der Sitte nicht persönlich an.

- Obwohl selbst Analphabet, ließ er wichtige Hindu-Texte ins Persische übersetzen, nutzte seine große Bibliothek mittels Vorleser und versuchte über Dispute mit Vertretern verschiedener Religionen, das Wesen ihres Glaubens zu ergründen, um bestenfalls eine eigene universale und machtstützende Religion zu entwickeln. Er hatte erkannt, dass sich eine dauerhafte Herrschaft der Muslime in Indien nur unter Respektierung des Glaubens der hinduistischen Mehrheit durchsetzen ließ. Auch dem Christentum gegenüber zeigte Akbar Toleranz: Die Außenseite des Siegestors der Moschee in Fatehpur Sikri ziert folgende Inschrift: "Jesus, Friede sei ihm, sagte: Die Welt ist nur eine Brücke. Gehe darüber hinweg, aber baue keine Häuser auf ihr. Derjenige, der eine Stunde hofft, hofft auf die Ewigkeit, denn die Welt ist nur eine Stunde, verbringe sie in Andacht, denn der Rest ist unsichtbar." *

 

Akbar ließ bereits zu Lebzeiten eine Biographie über sich verfassen.

 

Video 1          Video 2          Video 3          Video 4         

 

* eine kürzere Übersetzung lautet: "Die Welt ist eine Brücke. Gehe darüber hinweg, aber baue kein Haus darauf. Was vom Leben bleibt, ist ohne Wert."

Jama Masjid

(Link)

Unmittelbar neben seinem Machtzentrum ließ Akbar eine der größten Moscheen der Welt errichten. Sie war das erste fertiggestellte (1572) Bauwerk in Fatehpur Sikri. Markante Bestandteile der Moschee sind

- das 1576 nachträglich in die Mauer eingebaute Siegestor (54 Meter hoch; errichtet nach dem Sieg über die Stadt Gujarat)

- das Königstor an der den Palästen zugewandten Seite

- das Mausoleum von Sheikh Salim Chishti (Akbar ließ es aus Dankbarkeit für die Vorhersage der Geburt eines männlichen Erben bauen)

- die Gräber der Hofdamen und Adligen sowie

- die Gebetshalle

 

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© Lothar Rehle / Erstveröffentlichung: 01.06.2013 /

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