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Orchha

Infos

 

Das im „Goldenen Touristischen Herzen“ Indiens (Delhi – Varanasi – Khajuraho – Jaipur – Delhi) ohne Bahnanschluss (15 km zur nächsten Bahnstation Jhansi) gelegene Orchha (Übers.: "versteckter Ort") wurde bisher vom internationalen Tourismus übersehen. Ein Glücksfall einerseits, vieles ist ursprünglich. Andererseits verschlumpern/verfallen die historischen Schätze, weil sich die lokale indische Gesellschaft (ca. 10.000 Einwohner) deren nicht so recht bewusst ist mit Ausnahme der Ticketpreise, die auch hier für Ausländer das 25-fache (3,00 Euro) des Tickets für indische Staatsbürger (0,12 Euro-Cent) kosten und ebenso hoch sind wie die für Denkmäler mit UNESCO-Status. Erst 2006 begann ein universitäres Team des Indian Institute of Technology Roorkee den Bestand an historischen Gebäuden zu erfassen.

Orchha wurde 1531 (andere Quellen benennen 1501) gegründet und war das Zentrum eines von den Briten unabhängigen Staates in Zentralindien. In der Stadt sind eine hervorhebenswerte Geschichte und Architektur fokussiert.

Ein besonders glücklicher Umstand des Besuchs war, dass er auf den Tag der Hindu-Feste "Durga Puja" und "Dussehra" (Maha Navami) fiel. Durga Puja nahm mit Abstand den größten Raum des Geschehens ein. Der Verfasser musste die schwierige Entscheidung zwischen Beobachtung der Feste und Besuch von Monumenten fällen. Im Nachhinein betrachtet, ist der Spagat wohl so leidlich gelungen.

 

Video 1          Video 2         Video 3         Über diesen Bahnhof (Jhansi) erreichte der Verfasser Orchha

Jahangir Mahal

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Der heute eher als Wohnanlage anmutende Jahangir Mahal ist Teil der aus mehreren funktional andersartigen Gebäuden bestehenden Festung Orchha. Der Jahangir Mahal, erbaut 1606 zu Ehren des Besuchs von Kaiser Jehangir, war eine Zitadelle.

Andere Gebäude, unter ihnen der Raja Mahal, wurden von verschiedenen Herrschern zu unterschiedlichen Zeiten beauftragt, so dass man an ihnen architektonische Entwicklungen gut ablesen kann.

Von Expertenseite ist zu lesen, dass der Jahangir Mahal der Höhepunkt in der Entwicklung der medieval-indisch-moghulen Architektur sei.

Den Verfasser beeindruckte vorrangig, mit welchen architektonischen Ansätzen versucht wurde, der Hitze zu begegnen: Überdimensionierung der Wände und Decken/viel Masse; Vorhangfassade; Luftschächte; kleine Fenster; große Wandöffnungen für Querlüftungen.

 

Video

Raja Mahal

(Link)

Die Wohnanlage innerhalb der Festung Orchha ist der Raja Mahal, der Palast der Königin. Der Bau dieses Teils dauerte von 1531 bis 1539; er ist der älteste erhaltene Abschnitt der Festung.

 

Die noch im originalen Zustand befindlichen Wand- und Deckenmalereien sind etwa 50 Jahre jünger. Sie zeigen Szenen aus dem Leben der Götter Rama und Krishna sowie Inkarnationen des Gottes Vishnu. Auch das Leben am Königshof wird, bezogen auf göttliche Aspekte, ausführlich dargestellt.

Chaturbhuj-Temple

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Um den Bau des Chaturbhuj-Tempels ranken sich gleich mehrere Geschichten: Der auf einem Plateau über dem Dorf gelegene Tempel geht auf einen Bau aus dem Jahr 875 zurück, wurde zwischen 1558 und 1573 auf Wunsch der Königin von deren Ehemann, Raja Madhukar Shah, errichtet. Es sollte ein Tempel zu Ehren des Gottes Rama werden.

Also wurde eine Statue des Gottes angefertigt und, weil der Tempel noch nicht fertig war, in einem am Fuß des Plateaus gelegenen Palast als Zwischenstandort aufgestellt. Der Gott benötigte schließlich tägliche Zuwendung und Verehrung. Als der Tempel letztendlich bezugsfertig war, ließ sich die Rama-Statue nicht mehr von der Stelle bewegen. Rama fühlte sich offensichtlich an diesem Ort wohl. Das fand natürlich Akzeptanz und ein paar Jahre später wurde der Rama umgebende Palast zu einem Tempel umgebaut, dem heutigen Ram-Raja-Tempel.

Der König ließ den auf dem Plateau frisch errichteten Tempel Gott Vishnu weihen und stiftete ein vierarmiges (chaturbuj) ca. 2,5 Meter hohes Idol von Vishnu, das noch heute angebetet wird.

Das Besondere an dem Tempel ist der für die indische Tempelarchitektur ungewöhnlich in die Höhe strebende Hauptraum. Der Verfasser fühlte sich stark an europäische Kathedralen erinnert.

 

Video 1           Video 2           Video 3           Video 4          

Sawan Bhadon (Wind-Tower)

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Die Türme Sawan Bhadon, auch Wind-Tower genannt, sind in Funktion und Konstruktion einmalig in Indien. Vergleichbares gibt es u. a. in Yazd im Iran. Das Prinzip heißt Bädgir.

Angrenzend an den Ram-Raja-Tempel liegt eine Reihe von Brunnen, die zu einem von acht Säulen getragenen Pavillon gehören. Eine unterirdische Aufenthaltsmöglichkeit (Tehkhana) bot den Königen von Orchha im Sommer einen kühlen Rückzugsort. Die Tehkhana wurde von einer raffiniert konstruierten in Persien entwickelten Einheit kühlt gehalten. Diese Einheit bestand aus zwei benachbarten Windfangelementen, genannt Sawan und Bhadon (das sind Namen von zwei Frühlingsmonaten in lokalen indischen Kalender). Die Türme sind an der Oberfläche und im oberen Bereich durchlöchert, so dass sich der Wind fängt. Der untere Teil der Türme ist mit einem Wasserreservoir verbunden. Die Türme, die Wasserverteilung (Aquädukte) und das unterirdische Wasserreservoir waren zu einem genialen Brunnen verbunden, der im Pavillon über dem Rückzugsort lag. Das gekühlte Wasser aus dem unterirdischen Reservoir wurde in diesen Brunnen transportiert und fiel aus diesem wie eine Fontäne auf das Dach des Rückzugsortes und hielt so die Thakhana angenehm kühl.

 

Erläuterung des Prinzips

Kenotaphe

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Die Kenotaphe von Orchha, die meisten in Form von Chhatris, sind berechtigter Weise die Eyecatcher in den leider nur spärlichen Werbeaktivitäten für Orchha. Die Harmonie der Architektur und Mehrfachausführung der Bauwerke sowie die Lage am Flussufer sind nur einige der guten Gründe für die Wahl als Werbemotiv. Ebenso interessant ist deren Geschichte: errichtet wurden sie zwischen 1650 und 1780 für mehrere Könige Orchhas, u. a. für Sawant Singh, Jashwant Singh und Bhagawant Singh. Auftraggeber waren die jeweiligen königlichen Nachfolger, Königsmütter oder hohe Beamte. Die meisten der insgesamt 15 Kenotaphe gelten als typisch für die Architektur des Bundelkhand.

  

Video              

Hindu-Fest "Durga Puja"

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Durga Puja ist ein Fest zu Ehren der Göttin Durga, einer der vielgestaltigsten und wichtigsten Göttinnen des Hinduismus. Hintergrund des Festes ist der Sieg der verehrten Krieger-Göttin Durga, sitzend auf ihrem Reittier, dem Löwen, über den bösen Büffel-Dämon Mahishasura.

Durga Puja wird in ähnlicher Weise wie das Fest Ganesh Chaturthi gefeiert: zu Beginn des Festivals stehen große, aufwendig gearbeitete Statuen der Göttin Durga in den Häusern und auf wunderschön dekorierten Podesten auf öffentlichen Plätzen. Am Ende des etwa eine Woche dauernden Festivals werden die Statuten, begleitet mit Musik und Tanz, durch die Straßen gefahren und dann in Wasser getaucht und diesem abschließend

übergeben.

In Orchha gab es mehrere Plätze für das Schlussritual. Der schönste und am stärksten besuchte Platz befand sich vor der Kulisse der Kenotaphe. Bereits gegen 8.00 Uhr fuhren die ersten mit Skulpturen und Gästen beladen LKW und Traktoren an der von der Polizei gemanagten Entladestelle oberhalb des Flussufers vor. Im Laufe des Tages fanden schätzungsweise allein an diesem Platz 100 Skulpturen ihr feuchtes Ende.


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© Lothar Rehle / Erstveröffentlichung: 01.06.2013 /

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